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Standort Ovenstädt – Biogasanlage David

Die Biogasanlage der Familie David in Ovenstädt ist eine von vier Anlagen dieser Art im Stadtgebiet von Petershagen.

Fotos: Dietmar Meier

Die Biogasanlage der Familie David in Ovenstädt ist eine von vier Anlagen dieser Art im Stadtgebiet von Petershagen. Die Anlage wird hier bereits seit über zwei Jahrzehnten betrieben – und das mit großem Engagement. Biogas wird in Ovenstädt vorrangig durch die Vergärung organischer Reststoffe (Gülle, Abfälle aus der Lebensmittelindustrie, pflanzliche Reststoffe) gewonnen. Damit unterscheidet sich die Ovenstädter Anlage von den anderen Anlagen im Stadtgebiet, die primär extra zu diesem Zweck angebaute Rohstoffe (Mais) verwerten. In allen entsteht ein energiereiches Gasgemisch, das zur Strom- und Wärmeproduktion genutzt wird. Biogasanlagen gelten als wichtiger Bestandteil der Energiewende, da sie erneuerbare Energien liefern und damit zur Reduktion von Treibhausgasen beitragen. Die Geschichte der Biogasanlage von Familie David beginnt in den 1990er Jahren: Rüdiger David übernahm damals den Hof seines Vaters und konzentrierte sich zunächst auf die Mastschweinehaltung. Doch schon 2002 wurde nach neuen Wegen gesucht, um den landwirtschaftlichen Betrieb zukunftsfähig zu machen. Die Schweinehaltung wurde aufgegeben und stattdessen entschied sich die Familie für den Bau einer Biogasanlage – in diesem Fall eine sogenannte Kofermentationsanlage. Diese nutzt neben Gülle auch Reststoffe aus der Lebensmittel- und Futtermittelproduktion zur Energiegewinnung. Dazu wird auch Gülle von Landwirten aus dem Ort mitverwertet. Was einst als landwirtschaftlicher Familienbetrieb begann, hat sich in den letzten Jahren stark weiterentwickelt. Die nächste Generation mit Sohn Niklas David ist dabei, er leitet das dazugehörige Lohnunternehmen David. Der Fuhrpark umfasst unter anderem Gülleausbringtechnik, Mähdrescher, Strohpressen, Häckselkolonnen mit den dazugehörigen Schleppern und LKWs. Die wachsende Nachfrage und der zunehmende Bedarf an erneuerbarer Energie machen das Unternehmen zu einem wichtigen Akteur in der Region.

Firmenchef Rüdiger David mit Hanna Gola, Autorin, des Beitrags.

Wie entsteht Biogas?
Die Arbeit in der Biogasanlage beginnt mit der Anlieferung der organischen Substrate, die fachgerecht gelagert werden müssen. Feststoffe wie Gemüseabfälle, Reststoffe aus der Lebensmittelproduktion oder andere organische Abfälle werden in einem separaten Feststofflager aufbewahrt und dienen in Ovenstädt als Hauptrohstoff für den späteren Gärprozess. Neben festen Stoffen werden auch flüssige Substrate wie Gülle oder organische Flüssigkeiten in speziellen Vorratsbehältern gesammelt, bevor sie weiterverarbeitet werden. Flüssige Substrate spielen auch deshalb eine wichtige Rolle, da sie das Material im Fermenter geschmeidiger machen und eine bessere Durchmischung ermöglichen. Diese Substrate werden in der Folge über einen Pumpenschacht in die Anlage geleitet. Von hier aus wird die richtige Menge an Gülle oder anderen flüssigen Reststoffen kontrolliert in den Fermenter gepumpt. Während die flüssigen Stoffe gepumpt werden, gelangen die festen Substrate über ein spezielles Einbringsystem in den Fermenter. Automatische Dosiersysteme stellen sicher, dass die richtigen Menge an Material regelmäßig zugeführt werden. Im Fermenter beginnt der eigentliche Biogasprozess. Hier wird zunächst das organische Material in der Hydrolyse unter Reaktion mit Wasser aufgeweicht und dann in der Acidogenese, der Versäuerungsphase, durch Bakterien in Säuren umgewandelt. Mikroorganismen zersetzen die Substrate und setzen dabei Methan und Kohlendioxid frei – die Hauptbestandteile des Biogases. Damit der Gärprozess effizient verläuft, wird der Inhalt des Fermenters durch ein Rührwerks ständig durchmischt. Die Temperatur bleibt konstant bei 38 bis 42 Grad Celsius bei der mesophilen Vergärung oder bei 50 bis 56 Grad Celsius bei der thermophilen Vergärung. Nachdem die Hauptgärung abgeschlossen ist, gelangt das Material in den Nachgärfermenter. Hier wird der bereits vergorene Substratrest weiter abgebaut, um auch letzte Biogasreste zu gewinnen. Durch diesen Schritt wird sichergestellt, dass die Gasproduktion so effizient wie möglich abläuft. Das im Fermenter und Nachgärfermenter freigesetzte Biogas wird im Gasspeicher gesammelt. Dieser dient als Puffer, damit das Gas bedarfsgerecht für die Stromproduktion genutzt werden dann. Das in Ovenstädt erzeugte Biogas ist ein Gasgemisch, das zu 50 bis 65 Prozent aus Methan, dem eigentlichen Energieträger, besteht. Hinzu kommt ein größerer Anteil Kohlendioxid, Wasserdampf sowie geringe Mengen an Wasserstoff, Schwefelwasserstoff und Ammoniak.
Nachdem die Biogasproduktion abgeschlossen ist, bleiben die sogenannten Gärreste zurück. Auch diese enthalten noch nutzbare Nährstoffe wie Stickstoff, Phosphor und Kalium. Im Endlager werden die Rückstände gesammelt, bevor sie als ökologischer Dünger auf landwirtschaftliche Flächen ausgebracht werden. Die Biogasanlage von Familie David hat mittlerweile eine elektrische Leistung von 1,3 MW und speist jährlich rund 5 Millionen kWh Strom flexibel ins Netz ein: Der Strom wird je nach Bedarf und aktuellem Strompreis ins Netz geleitet. In der Steuerungszentrale werden die Erzeugungskosten kontinuierlich überwacht, um wirtschaftlich effizient zu arbeiten. Doch die Anlage kann mehr als nur Strom produzieren: Auch die Wärme, die bei der Stromproduktion anfällt, wird optimal genutzt. Sie dient nicht nur den eigenen Betriebsprozessen, sondern kann auch als Nahwärme für umliegende Haushalte bereitgestellt werden. Überschüssige Wärme wird zur Materialtrocknung verwendet – eine umweltfreundliche und wirtschaftlich sinnvolle Nutzung.

Persönliche Bilanz
Die Biogasanlage David Ovenstädt ist ein hervorragendes Beispiel für die zeitgemäße Kombination von nachhaltiger Energiegewinnung und wirtschaftlichen Unternehmertums. Mein Besuch hat mir verdeutlicht, wie viel technisches Know-how und Engagement hinter der Biogasproduktion steckt. Es war beeindruckend zu sehen, wie aus organischen Abfällen eine wertvolle Energiequelle wird – ein echter Gewinn für Umwelt und Wirtschaft. Es ist offensichtlich, dass Biogasanlagen eine wichtige Rolle in der Energiewende spielen können. (hg)

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